Dienstag, 1. April 2025

Durchgangslager für Zwangsarbeiter mitten in Friedrichsfeld

Die neu aufgebaute Baracke an dieser Stelle dient heute als Bürgerhaus Friedrichsfeld vielfältigen sozialen und kulturellen Zwecken. 

Hier befand sich das aus mehreren Baracken bestehende Durchgangslager Friedrichsfeld. Hier waren viele junge Frauen und Männer zeitweise untergebracht, die in Deutschland Zwangsarbeit verrichten und die Arbeitskraft deutscher Soldaten zu ersetzen hatten. Zunächst waren diese Zwangsarbeiter ganz in der Nähe der Betriebe untergebracht. Nachdem aber der Bombenkrieg intensiver wurde, brachte man die Zwangsarbeiter in Randbereichen unter. So entstand auch das Lager am Buschmannshof in Voerde für die Zwangsarbeiter der Firma Krupp in Essen. 

1942 gab es erste Pläne, einige Baracken der ehemaligen Militärunterkünfte in Friedrichsfeld für ein solches Lager zu nutzen. Vorher waren sie von einigen NS-Organisationen und vom Reichsarbeitsdienst RAD genutzt worden. Die Siedlungsgesellschaft akzeptierte den Plan des Landesarbeitsamts Köln, einen Teil der Baracken für diese Zwecke zu vermieten. 


Das Durchgangslager wurde im Juni 1942 eingerichtet und bestand im westlichen Teil des Barackenlagers. Zu den Steinbaracken wurden weitere aus Holz in Richtung Poststraße errichtet, so dass das Lager insgesamt über 20 Baracken umfasste. Es war von außen nicht einsehbar. Die Zustände waren menschenunwürdig. Es gab einen Wasserhahn, eine Latrine (Brett mit Jauchegrube) und wenig und zudem schlechtes Essen. Das Lager glich einem Schlammfeld. 

Am 17. und 18. Oktober 1944 kamen zahlreiche Niederländerinnen und Niederländer aus der Region Limburg im Lager an. In ihren Erinnerungen heißt es: "Das Lager Friedrichsfeld in der Nähe von Wesel umfasste über 20 Holz- und Backsteinbaracken, die von Polen und Russen - manchmal zusammen mit ihren Familien - und von Belgiern, Franzosen und Italienern bewohnt wurden. Ihr mageres Gesicht, ihre Kleidung und der apathische Gesichtsausdruck ließen keinen Zweifel an den mehr als horrenden Lebensbedingungen."

Da das Lager unter Androhung schwerster Strafen nicht fotografiert werden durfte, gibt es so gut wie keine Aufnahmen. Bekannt ist nur ein einziges Bild, das Zwangsarbeiter auf der Poststraße vor dem Lagerzaun, auf dem Weg zum Bahnhof zeigt. Von hier wurden die Zwangsarbeiter in die Umgebung verteilt. Besonders schlecht behandelt wurden die Ostarbeiter, die an ihrer Kleidung die Markierung OST zu tragen hatten. 

Das Foto zeigt eine Kennmarke
für einen Zwangsarbeiter im
Lager Friedrichsfeld.
"Während dieser Zeit wurden 199 Sterbefälle von Bewohnerinnen und Bewohnern des Durchgangslagers beurkundet. Der erste war der 35-jährige Fabrikarbeiter Wincenti Preczeuski aus Kalisch in Polen. Er starb im Spellener Krankenhaus an Tuberkulose. Wann das Lager aufgelöst wurde, ist unklar. Die letzten beiden Todesfälle waren die Hilfsarbeiter Wasilij Archipjuk und Michail Resnik, die am 22.2.1945 im Durchgangslager an Tuberkulose verstarben. Bereits zuvor erhängte sich die aus Nürnberg stammende und in Wesel wohnende Marie Pauline Rüsch, geb. Rüsch, am 19.2.1945 im Durchgangslager. Vermutlich war sie in Wesel ausgebombt worden. 

Spätestens mit dem Rheinübergang der Amerikaner war das Lager evakuiert worden. Siegfried Thielen berichtete noch von einer ausgehungerten Frau, die sich verängstigt in einem Wäscheberg versteckte und den Granatbeschuss verwundet überlebte. Ihr weiteres Schicksal bleibt ungewiss."

Zahlreiche Berichte gibt es über die unmenschliche Behandlung der Zwangsarbeiter, vor allem durch die Bewacher. Aber auch von heimlicher Hilfe durch die Zivilbevölkerung und einigermaßen guter Behandlung z.B. in Bauernhöfen und Betrieben. 

Quellen: 2020 Jahrestage in Friedrichsfeld
W. Kolks: Voerder Chronik 1900 - 1950


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