Dienstag, 1. April 2025

Splitterbunker an der Schleuse

Hier an der Schleuse erinnert ein kleiner Bau hinter dem hohen, oben mit Stacheldraht versehenen Gitterzaun an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges - es ist eine stumme Mahnung. Ein Splitterbunker, der um 1940 für den Wärter der zehn Jahre zuvor errichteten großen Schleuse erbaut wurde.

Eine Informationstafel rechts daneben lässt den Betrachter wissen, dass der kapselförmige Bau dem Schleusenpersonal während des Zweiten Weltkriegs als Beobachtungsstand und als behelfsmäßiger Schutz bei Luftangriffen diente. Der Bunker ist klein und eng - einfach unvorstellbar, sich hier aufzuhalten, während draußen Bomben niedergehen. Es ist eng darin, wer mehr als 1,80 Meter misst, kann sich nur in gebückter Haltung in dem Bunker aufhalten, in dem Sehschlitze einen Rundumblick nach draußen ermöglichen.

Beobachtungsbunker wie dieser, erfährt der Leser bei der Lektüre der Informationstafel weiter, wurden "in der Hauptsache im Bereich von Verkehrsanlagen wie Bahnhöfen, Häfen, Brücken, Schleusen, Flugplätzen sowie in industrie- und dichtbebauten Wohngebieten aufgestellt und dienten bei Luftangriffen als zielnahe Beobachtungsstände". Besetzt wurden sie von Posten, "die bei Angriffen Schäden erkennen und möglichst schnell für deren Behebung zu sorgen hatten". Den äußerst gefährlichen Dienst leisteten in der Regel Mitarbeiter der zu schützenden Einrichtung, in dem Fall der Schleusenwärter.


Als reine Schutzbunker aber seien die Beobachtungsbunker weniger geeignet gewesen. Die schwache Konstruktion habe zwar einen gewissen Splitter- und Trümmerschutz bei Bombendetonationen in größerer Entfernung geboten, "der Explosionswirkung von Naheinschlägen" hätte diese Art Bunker aber nicht standgehalten. Wegen ihrer leichten Bauweise seien Kleinbunker nach dem Krieg problemlos und ohne großen Aufwand beseitigt worden. "Der Bunker an der Schleuse Friedrichsfeld ist das einzige erhaltene Exemplar im Stadtgebiet Voerde", steht auf der Tafel.

Auszüge aus einem Text von Petra Keßler von der NRZ. Vielen Dank für die Erlaubnis, diesen Text verwenden zu dürfen. 

Der schöne Artikel über den Splitterbunker erschien im Rahmen der Adventskalendertürchen-Aktion der NRZ im Jahr 2016.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Erinnerungs-Radtour von Friedrichsfeld nach Mehrum

In diesem Jahr jährt sich das Ende des 2. Weltkriegs am Tag der Kapitulation des deutschen Reichs am 8. Mai 1945. Vierzig Jahre später, am 8...