Dienstag, 1. April 2025

Ein Kriegslazarett in der Heideschule an der Wilhelmstraße

Im 30th Medical Department Diary (das ist die Medizinische Abteilung der 30. Division) der US-Army wird das Geschehen rund um das Lazarett in der Schule an der Wilhelmstraße beschrieben. Die Amerikaner hatten dem Ortskern von Friedrichfeld den Code-Namen "Hedy" gegeben. 

Am ersten Tag des Rheinübergangs wurden Verwundete noch nach Alpen gebracht, der Transport dauerte 1 1/2 Stunden. Im 5. Bericht vom 25. März 1945 lesen wir: 

"Zuerst betraten wir Spellen und kamen über Ork, Mehrum, Löhnen, Schanzenberg nach Friedrichsfeld. In Friedrichsfeld fand Oberst Treherne ein Gebäude, welches als Lazarett brauchbar schien. Es hatte zwar kein Dach, war aber ansonsten brauchbar. Der Oberst hängte ein Schild "Reserviert" ans


Gebäude. Als wir ins Gebäude gingen, brachte ein GI gerade einen deutschen Gefangenen um die Ecke des Gebäudes. Major Sconyers und ich schauten aus der Rückseite des Gebäudes und sahen eine Gruppe Soldaten, die sich in Richtung eines Gebüschs bewegte, ich denke um es zu säubern. (Mit diesem Ausdruck waren evtl. feindliche Soldaten gemeint.) Über ihren Köpfen explodierten einige Granaten."

26./27. März 1945

"Morgens um 8:00 Uhr überquerten wir wieder den Rhein und fuhren zum Ort Friedrichsfeld. Eine Menge Soldaten setzte sich in Bewegung. Wir kamen zum Schulgebäude, welches als Lazarett benutzt werden sollte. Das Gebäude war während der Nacht als Quartier benutzt worden. Einige Leute des 48th Feldhospitals füllten Granattrichter auf, um ihre Zelte aufzubauen. 

Auf der Vorderseite der Schule befindet sich ein von den Deutschen angelegter Friedhof. Er ist sicherlich noch ganz neu. Es dauerte nicht mehr lange, bis unsere Einheit kam und wir alles für den Lazarettdienst einrichteten. Um 10.00 Uhr war das Lazarett bereit. Unsere Leute bezogen Quartier in der Nähe unseres Lazaretts."

Hier wurden also verwundete alliierte Soldaten versorgt. 

Das Schulgebäude war im September 1930 (damals noch dreistöckig) als neue evangelische "Heideschule" eröffnet worden (wobei auch zwei katholische Klassen dort unterrichtet wurden). 

Das Gebäude diente auch schon vom 26.9.1944 als deutsches Feldlazarett. In der Schulchronik der Mädchenschule in Friedrichsfeld vermerkt deren Rektor Deinert: "Ich habe nie eine solch anmaßende Gesellschaft gesehen, wie es die Ärzte und das Sanitätspersonal sind. Gut essen und trinken scheint ihnen die Hauptsache zu sein." 

Auf dem Dach war ein großes rotes Kreuz aufgemalt, um Bombardierungen zu verhindern. 

Lehrer Deinert berichtete, dass Anfang März 1945 in dem Gebäude ein deutscher Hauptverbandsplatz eingerichtet wurde. "Ein sprechendes Zeugnis für die Nähe der Front. 51 Soldatengräber im Westteil des Schulhofes zeugen davon." Er beschreibt zudem komplett demoralisierte, versprengte Soldaten "Spitzbuben", die stahlen und plünderten. Zudem warfen sie ihre Waffen weg, die überall herumlagen. 

In diesem Lazarett starb auch der Pfarrer Wilhelm Kirchmann (während dort noch ein deutsches Lazarett war) an seinen Verletzungen. Auch er wurde auf dem provisorischen Friedhof auf dem Schulhof beigesetzt und liegt heute auf dem Kriegsgräberfriedhof in Voerde. 



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