Montag, 7. April 2025

Erinnerungs-Radtour von Friedrichsfeld nach Mehrum

In diesem Jahr jährt sich das Ende des 2. Weltkriegs am Tag der Kapitulation des deutschen Reichs am 8. Mai 1945. Vierzig Jahre später, am 8. Mai 1985 konnte Bundespräsident Richard von Weizsäcker diesen Tag als "Tag der Befreiung" deuten. Heute sind erneut 40 Jahre ins Land gegangen. 

Am 8. Mai 2025 möchten zahlreiche Voerder mit einer Menschenkette der Folgen des Krieges und der vielen Opfer gedenken. Diese Menschenkette wird zwei Orte in Voerde miteinander verbinden, den Kriegsgräberfriedhof mit seinen 889 Gräbern an der Friedhofstraße und das Denkmal für die Opfer des 
Zwangsarbeiterlagers am Buschmannshof, in dem fast 100 Kinder durch Unterversorgung ums Leben kamen. Ab 16 Uhr versammeln sich an diesem Tag Menschen entlang der Straßen: Friedhofstraße / Bahnhofstraße und am Kindergarten, um um 17 Uhr unter Glockengeläut die Menschenkette zu schließen.  

Teil des Gedenkens ist auch eine Erinnerungs-Radtour zu den Schauplätzen des Krieges. Wir stellen an 15 besonderen Orten Schilder auf, die an den Krieg erinnern. Durch QR-Codes auf diesen Schildern bekommt man Informationen, was an diesem Ort vor 80 Jahren geschah. 

Ein prägnantes Bild von damals stellt jeweils einen Kontrast zur heute so friedlichen und erholsamen Landschaft am Niederrhein her. 

Die Strecke beginnt am Anfang der Wilhelmstraße in der Nähe des Babcock - Wäldchens mit der 1. Station. Die 2. Station befindet sich an der Kreuzung der Wilhelmstraße mit der Spellener Straße, dann geht es etwas weiter in Richtung B8, wo ein Foto von deutschen Kriegsgefangenen aufgenommen wurde. Hier findet sich im sog. Offizierspark auch ein Denkmal für die Opfer der Kämpfe. Nun durchqueren wir den Ortsteil und finden uns am Bürgerhaus ein, an der Kreuzung Post- / Bülowstraße. Hier befand sich ein Zwangsarbeiter-Durchgangslager. Weiter führt der Weg zum Kanal, dem wir bis zur Schleuse folgen. Hier ist noch ein kleiner Abstecher zum Schiffermast an der Einmündung des Kanals in den Rhein geplant. Von dort folgt die Strecke dem Rhein. Am dortigen Rheinvorland fand die historische Anlandung des englischen Premiers Churchill statt. An der Peterskirche wird der Zerstörungen in diesem Rheindorf gedacht, dann geht es zum Rheinkreuz in Ork, wo man eine Pontonbrücke anlegte, der folgten solche Brücken an der Gest und in Mehrum. Am U'Berg erzählt Wilma Hansen, wie sie den Übergang erlebte, dann folgt ein Feldgrab am Rhein und schließlich Mehrum mit Stationen, die an das vernichtete Haus Mehrum und den Rheinübergang dort (am Gedenkstein bei der Friedenseiche) erinnern. Schließlich endet die Tour an der Nato-Rampe, die nach wie vor eine militärische Funktion im Falle eines Krieges zu erfüllen hätte. Möge uns dies erspart bleiben. 

Hier ist der Streckenverlauf eingezeichnet. Es gibt auch einen Flyer mit Wegbeschreibung, den wir gern per mail senden. Gedruckt finden Sie ihn in der Pauluskirche. Wir haben die Stationen der Tour mit dem System der App What3words verortet, so dass man sich mit jedem Navigationssystem führen lassen kann. 

Den genauen Standort jeder Station finden Sie mit der App: What3words. Hier können Sie die drei Codewörter eintippen (oder mit der App direkt scannen). Die drei Worte markieren ein 3 x 3 m großes Feld auf einer Gitternetzkarte, die über die ganze Welt gelegt ist. Die App verbindet Sie dann mit google Maps oder einer anderen Navigation und führt sie zur nächsten Station, die aus einem 30 x 45 cm großen, gelben Schild besteht. Sollte ein Schild verschwunden oder beschädigt sein – senden Sie bitte eine e-mail an gehling-m@bistum-muenster.de. Oder kommentieren dies hier auf der Website (s.o.).
  • 1. Station ///sprüche.regelten.lesen 
Hier geradeaus bis zur Spellener Straße. Auf der anderen Seite geht die Wilhelmstraße weiter, dort ist die...
  • 2. Station: ///zeugen.entfernt.gedanke

Jetzt zurück zur Spellener Straße und ein Stück in Richtung B8/Hindenburgstraße. Hier steht eine Einmündung weiter am Eichenweg die …
  • 3. Station: ///futter.ärzten.gebräu
Wer mag kann noch kurz der Spellener Straße folgen. Auf der linken Straßenseite ist der Offizierspark mit den eindrucksvollen Mahnmalen an die Kriege von 1871 – 1914/1913 – 1939/1945.
Jetzt in den Eichenweg fahren und „quer durch Friedrichsfeld“ auf die Poststraße zufahren. Unser Ziel ist das Bürgerhaus Ecke Post-/Bülowstraße. Hier befand sich das Zwangsarbeiterlager und unsere …
  • 4. Station: ///federn.auszug.zugreise
Wir fahren weiter über die Poststraße bis wir (Ups... da haben wir die Rechnung ohne die Bahn gemacht. Leider ist wegen Bauarbeiten die Durchfahrt unter der Bahnbrücke gesperrt, daher kann man nicht am Kanal entlang und wird geradeaus unter der Bahn herfahren müssen, dann über die Kreuzung Frankfurter Str. weiter geradeaus in die Böskenstraße und dann in die Gehrstraße einbiegen müssen) ... kurz vor dem Bahnhof rechts in Richtung Kanal abbiegen können. Hier folgen wir dem Pfad am Kanalufer nach links in Richtung Schleuse. Wir passieren das Gelände des Kanuclubs. Das Schicksal der Kanalbrücken ist das Thema der …
  • 5. Station: ///besuchte.begehung.angeregte
Hier endet der Weg und wir fahren über die Gehrstraße zur Böskenstraße. Hier fahren wir rechts und dann bei der nächsten Möglichkeit in die Bühlstraße. Ihr folgen wir bis kurz vor die Kanalbrücke, wo wir links in die Weseler Straße einbiegen. In einem langen Bogen biegen wir rechts in die Schleusenstraße ein und fahren bis zu dem kleinen Abzweig der Schleusenstraße, der uns direkt an die Schleuse führt und dort zur...
  • 6. Station: ///neuesten.eine.seitliche
Von hier machen wir einen Abstecher zum Schiffermast Emmelsum. Wir folgen also der Schleusenstraße bis dort. Diesen Weg müssen wir komplett nachher zurückfahren. Der Abstecher lohnt sich aber, nicht nur weil hier eine weitere Station haben, nämlich die...
  • 7. Station ///besucher.mauer.expertin
Von hier fahren wir nun den ganzen Weg über die verlängerte Schleusenstraße zurück bis dort, wo wir vorhin zur Schleuse abgebogen sind. Hier biegen wir diesmal rechts ab und folgen dem Verlauf der Schleusenstraße (Vorsicht, diesen Namen tragen hier einige Straßen). Dort wo Bahngleise die Straße queren geht sie in die Straße „Am Schied“ über, der wir lange folgen. Wir passieren das Gelände der Aluhütte. Dort, wo die Straße auf einen Deich hinauf führt kann man links nach Spellen abbiegen (auch wenn man dort einige Meter weiter (an den Bänken) schon eine 9. Station sehen kann. Hier beginnt unser Abstecher nach Spellen, der die Möglichkeit bietet, zu picknicken, etwas einzukaufen oder ein Eis zu essen. Hierhin kehren wir zurück. In Spellen treffen wir auf die Mehrumer Straße, der wir zur Kirche St. Peter folgen. Hier befindet sich die …
  • 8. Station ///scheine.regiert.ortung
Von hier fahren wir den Weg zurück, den wir gekommen sind und biegen am kleinen Deich links ab. Dort befindet sich die Station, die wir dem britischen Premier Churchill verdanken.
  • 9. Station ///dieser.birken.zusatz
Wir folgen dem Verlauf des Rheins über „Am Schied“ / Auf der Gest / Kolkstraße bis zum Deichkreuz in Ork. Hier sieht man schon die Fahnen wehen und das Kreuz. Über die Vogellake machen wir einen Abstecher zu diesem Aussichts- und Ruhepunkt. Hier findet sich die...
  • 10. Station ///abbildbar.trank.chor
Es geht zurück auf die Kolkstraße, der folgen wir bis sie nach links abknickt und auf die Mehrumer Straße mündet. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite mündet auch die kleine Straße „Am Uberg“ ein, in die wir rechts einbiegen. Wir folgen ihr bis zur Kreuzung der Mehrstraße. Hier kamen die amerikanischen Soldaten über die Mehrstraße vom Rhein hinauf und hier findet sich die nächste...
  • 11. Station: ///reis.anbindung.areal
Wir fahren geradeaus über die Mehrstraße in den Hohlackerweg und folgend dem durch die Wiesenlandschaft, bis der Birnbaumweg rechts abbiegt. Dem folgen wir wieder bis zur Mehrumer Straße. Hier biegen wir links ein, folgen ihr aber nur kurz, bis es rechts in die Schloßstraße geht. Dort, wo sie auf den Deich trifft findet sich die nächste …
  • 12. Station: ///einfacher.endlos.gerührt
Wir bleiben auf der Schloßstraße und fahren unten am Deich entlang, bis die Straße wieder links abbiegt. Wir biegen entsprechend ab und finden auf der linken Straßenseite (hinter dem Ehrenmal und dem Wappenstein von Schloß Mehrum), dort wo auch der Voerder Vogel erkennbar ist (Voerder Geschichtsweg) unsere...
  • 13. Station: ///engeln.sowie.knopf
Von hier fahren wir einige Meter auf der Schloßstraße zurück und biegen links in den Rhynumsche Weg ein. An seinem Ende steht die alte Friedenseiche, die an den deutsch-französischen Krieg erinnert. Und das Mahnmal, das die Gilde Mehrum vor 20 Jahren zur Erinnerung an den Rheinübergang aufgestellt hat. Hier findet sich die 
  1. 14. Station ///achtbar.flache.eine
Von hier aus kann man auf den Radweg am Rheindeich gelangen. Diesen Radweg folgen Sie, bis zu einem markanten Deichdurchbruch. Dieser Ort ist eine Rheinübergangsstelle, auch NATO-Rampe genannt. Hier findet sich unsere letzte und...
  • 15. Station: ///flieht.unabhängige.prinzip
Von hier aus können Sie ihre Radtour nach Belieben fortsetzen. Und auch ggf. nach Hause zurückkehren. Die Strecke von der 1. bis zur 15 Station ist ca. 16 km lang.

Quellen und Dank

Die Erinnerungs-Radtour zu den Schauplätzen des Krieges wurde als Projekt des #VoerderFriedensbündnis durch eine Arbeitsgruppe vorbereitet und umgesetzt. Dieser Arbeitsgruppe gehörten Markus Gehling, Frank Parting, Johannes Hansen und Helmut Drost an. 

Die Fotos und Inhalte verdanken wir u.a. Pfr. Wilhelm Kolks und Heinrich Kruse, sowie folgenden Autoren und Büchern: 

  • Alexander Berkel / Krieg vor der eigenen Haustür - Rheinübergang und Luftlandung am Niederrhein 1945, Stadtarchiv Wesel 2004, ISBN: 3-924380-22-8

  • Alexander Berkel / Ortwin Nißing / 1945 - Die Front am Niederrhein - Recherchen - Erkenntnisse - Berichte, Hamminkeln 2025, ISBN: 978-3-00-081284-2

  • John Diamond / Images of War / Montgomery's Rhine River Crossing / Operation Plunder / Photographs from wartime archives, Barnsley 2019, ISBN: 978-1-52673-173-9

  • Wilhelm Kolks / Voerder Chronik / 1900 - 1950 - Quellen der Geschichte von Voerde (Niederrhein), Selbstverlag, Voerde 2020

  • Förderverein Bürgerhaus Friedrichsfeld e.V. / Fabian Merker / Heinrich Kruse u.a. / Jahrestage in Friedrichfeld / Jahrgänge 2020 - 2023
Wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern für die Hilfe bei der Umsetzung dieses Projekts. Auch danken wir allen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die bereit sind, von ihren Erlebnissen zu sprechen. Hier ganz besonders Wilma Hansen, deren Erinnerung hier erstmals festgehalten ist. 

Zu Mehrum verweisen wir alle Interessenten auf diese gute Seite: www.rheindorf-mehrum.de

Hilfreich war auch immer wieder das Internet, hier Wikipedia und ein Text von Petra Keßler von der NRZ zum Splitterschutzbunker an der Schleuse. Dank auch an Peggy Mendel für ein spontanes Foto.

Sehenswert und informativ sind die Filme "Krieg am Niederrhein", insbesondere der dritte Teil, der sich mit den Vorgängen in unserer Region befasst. 
Last but not least: Ein herzlicher Dank an Johannes Hansen, Frank Parting und Helmut Drost, die die Idee gemeinsam mit mir, Markus Gehling umgesetzt haben. Angefangen von der Planung der konkreten Standorte, Hinweise auf Fotomaterial, Zeitzeugenberichte bis hin zum konkreten Aufbau der Stationen am 17. April 2025. Das war der Gründonnerstag in diesem Jahr. Vor 80 Jahren lag dieser Tag am 29.3.1945 - also fünf Tage nach dem "Übergang", als langsam etwas Ruhe einkehrte und die Opfer betrauert werden konnten.




Dienstag, 1. April 2025

Natorampe bei Mehrum

Vor allem während der Zeit des Kalten Krieges von 1945 bis um 1989/90 entstanden in der Bundesrepublik zahlreiche Ersatzübergangsstellen über Flüsse, die einen vornehmlich militärischem Verwendungszweck hatten. Der Rhein als Deutschlands wichtigste Wasserverkehrsader spielte bei taktischen Szenarien der konventionellen Kriegsführung stets eine Schlüsselrolle. Es galt, hier einen weiteren Durchbruch von (Panzer-)Truppen des Warschauer Paktes zu verhindern, wenn diese bereits den Rhein erreicht haben sollten. Im links des Rheins anliegenden Gebiet liegen neben weiteren NATO-Staaten (u.a. BeNeLux und Frankreich) auch zahlreiche US-Militärstützpunkte.

Volkstümlich werden die als potentieller Ersatz für Brücken errichteten Übergangsstellen auch „NATO-Rampen“ genannt. Im Jargon der Bundeswehr findet sich für die Bauten auch die Bezeichnung „Panzerrampe“, Feuerwehren nutzen hingegen eher gerne den Ausdruck „Feuerwehrrampe“.

Die Ersatzübergangsstellen sollten es im Verteidigungsfall erleichtern, die zwei Ufer eines Flusses über behelfsmäßige Ponton- bzw. Schwimmbrücken - teils auch Fähren - miteinander zu verbinden. Damit sollten die Rampen im Kriegsfall anstelle von möglicherweise zerstörten Brückenbauten eine gesicherte Transportmöglichkeit für militärisches Gerät und Fahrzeuge (insbesondere Panzer) oder Truppenteile gewährleisten.

Mit dem Ende des Kalten Krieges sank zwar die militärische Bedeutung der NATO-Rampen, doch werden diese zumeist nach wie vor in Einsatzbereitschaft gehalten. 

Eine solchen Rampe ist oft eine Möglichkeit, einen Schwerlasttransport ans Rheinufer zu ermöglichen. So z.B. den Transport eines über 400 Tonnen schweren Generatorläufers aus dem Kraftwerk in Möllen im Jahr 2019.

Der etwa sieben Meter breite Durchlass im Deich, müsste im Falle von Hochwasser abgedichtet werden. Über Wasserstandsmeldungen aus Düsseldorf und Duisburg gibt es bei steigenden Pegelständen eine Vorlaufzeit von einem bis eineinhalb Tagen. So können die notwendigen Elemente aus Aluminium (gelagert an der Feuerwache in Löhnen) dorthin gebracht werden. Die doppelte Wand besteht aus etwa 50 Einzelteilen und kann in rund 20 Minuten aufgebaut werden. 

Diese „Kerbe im Deich“ zeigt an, dass Krieg nicht nur ein Relikt vergangener Zeiten ist, sondern dass das alte lateinische Sprichwort: „Si vis pacem para bellum“ – nach wie vor ein Stück Wahrheit enthält: „Wenn du (den) Frieden willst, bereite (den) Krieg vor.“ Vielleicht in diesem Kontext ein aufschlussreicher Zufall, dass mitten in Mehrum 1888 das (historisch bedeutsame) Grab eines germanisch-römischen Kriegers aus dem 6. Jahrzehnt nach Christi Geburt gefunden wurde.  Und das ausgerechnet auf der – für die Römer feindlichen „germanischen“ Seite des Rheins. Der Grabfund kann heute in Xanten besichtigt werden.

Quelle: „NATO-Rampen am Rhein”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital.
URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-351985 (Abgerufen: 27. März 2025)

Fotos von der Rheinüberquerung Ende März bei Emmerich / Kleve.

Dank an Sascha.B Military Photographer, er veröffentlicht seine Bilder bei Instagram und Facebook

Haus Mehrum

Haus Mehrum blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Die Website der Gilde Mehrum berichtet ausführlich darüber: 

In der Zeit von 1934 bis 1937 nutzte der „Deutsche Arbeitsdienst“ das Herrenhaus als Quartier. Einige Stallungen wurden zu Waschkauen umgebaut und im Park zusätzliche Wohnbaracken errichtet.

Kommandos und Stiefelklappern störten von nun an die Stille des Schlosshofes bei der fast militärischen Ausbildung der hier stationierten Dienstabteilung. Nach dem Abzug des Arbeitsdienstes 1937  kehrte bis zum Kriegsausbruch Ruhe ein. In den Jahren 1939 bis 1945 fanden Kriegsgefangene – Franzosen, Russen, Polen und später „Fremdarbeiter“ (zur Arbeit in Deutschland gezwungene Menschen aus den von der Deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten)- ein Obdach im Schlossgebäude.

Am 17.10.1944 vernichteten Brandbomben den Pferde- und Kuhstall mit der Milchkammer. Dabei verbrannte das dort eingelagerte Getreide der damaligen Pächter Gerhard Hüser und Wilhelm Klein. Nur die Dreschmaschine konnte rechtzeitig gerettet werden. Die Mauerreste der Ruine dienten den amerikanischen Pionieren beim Rheinübergang im März 1945 als Unterbau für die Zufahrtsrampen an den Pontonbrücken.

Während der Eroberung des Niederrheins durch die Truppen der Alliierten im März 1945 erhielt das Schloss mehrere Granattreffer, die das einst stolze Haus in eine traurige Ruine verwandelten.

In den ersten Nachkriegsjahren dachte niemand an einen Wiederaufbau, da Baumaterial nur zur Schaffung von Wohnraum verfügbar war. Wind und Wetter vollendeten das menschliche Zerstörungswerk in den folgenden Jahren.

Es fehlte nicht an Vorschlägen, die Ruine einem neuen Verwendungszweck zuzuführen (Jugendherberge, Museum u. a. ).

Am 12.04.1952 berichtete die WAZ-Westdeutsche Allgemeine-Zeitung: „Wie aber auch der oberflächliche Betrachter feststellen kann, droht dem gesamten Gebäudekomplex Einsturzgefahr, falls nicht umgehend Maßnahmen getroffen werden. Diese Maßnahmen will der jetzige Besitzer Krieger (Mitinhaber der Fa. Hülskens) ergreifen, allerdings nicht im Sinne des Kreises und des Landes. Er beabsichtigt nämlich, die beiden Giebelwände einzureißen. Die ersten Vorbereitungen wurden bereits getroffen.“

Da auch in den folgenden Jahren keine Finanzmittel für den Wiederaufbau beschafft werden konnten, musste im Frühjahr 1960 das Dorf von seinem alten Wahrzeichen Abschied nehmen. Der Besitzer beseitigte die Ruine und fuhr den Schutt in ein ausgekiestes Baggerloch am Rhein.

Auf dem Schlosshof kennzeichnen nur noch zwei Treppenstufen den Eingang zum ehemaligen Herrenhaus. Auch ist dort ein alter Giebelstein erhalten. 

Das Dorf hält sein verlorenes Wahrzeichen in guter Erinnerung. Ein Foto ziert fast jedes Mehrumer Wohnzimmer und der Schützenverein trägt es auf seiner Fahne und den Uniformen. Eine Darstellung des Schlosses befindet sich auch in der Schützenhalle. 

Von den Wirtschaftsgebäuden blieb die große Scheune erhalten. Das sogenannte Hinterhaus wurde 1947 abgebrochen. In dem heute noch vorhandenen Gebäude befinden sich Mietwohnungen. 


Quelle u.A.: https://www.rheindorf-mehrum.de/haus-mehrum.html 

Soldatengrab am Deich

Für dieses Foto gibt es keine genaue Lokalisierung. Vielleicht kommt ja im Rahmen unserer Radtour etwas heraus und jemand erkennt den Ort. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden die Toten, die unmittelbar an den Kampfplätzen getötet wurden, später auf die Kriegsgräberfriedhöfe umgebettet. Dieser Tote mag daher heute in Voerde auf dem Kriegsgräberfriedhof an der Friedhofstraße ruhen. 

Seine Identität ist nicht bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um einen deutschen Soldaten. 

Auf dem Voerder Kriegsgräberfriedhof liegen Gefallene aus Ostwestfalen und dem Münsterland. Dazu kamen verstorbene Kriegsgefangene aus den Rheinwiesen bei Rheinberg. Ab 1946 wurden 132 deutsche Soldaten aus ihren Feldgräbern im Raum Voerde, die sich meist dort befanden, wo sie gefallen waren, umgebettet. Ebenso fanden 71 Gefallene aus dem Amt Gahlen und 46 Soldaten, die auf dem alten Schulhof Friedrichsfeld bestattet worden waren, hier ihre letzte Ruhestätte. Auch einige Voerder Männer, die anderswo umgekommen waren, wurden postum auf den Soldatenfriedhof Voerde überführt.

Heute befinden sich hier die Gräber von 889 Kriegsopfern. Die Grabsteine aus Ruhrsandstein wurden 1963 anstelle der vorhandenen Holzkreuze errichtet.

Viele Informationen und Hinweise, auch zu den Ereignissen des 2. Weltkrieges finden sich auf den Tafeln des Geschichtspfades, die der Voerder Heimatverein aufgestellt hat. 

Uberg in Ork - Zeitzeugen berichten

Hier möchten wir zwei Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, zunächst mündlich Frau Wilma Hansen geb. Gockel geboren am 14.4.1936, damals wohnhaft am Uberg 462, in Spellen-Ork.

Die geschilderte Situation hat sich in den frühen Morgenstunden ereignet. Sie war damals fast 9 Jahre alt. (Die dem Video unterlegten Bilder stammen alle aus der Region zwischen Wesel und Hamminkeln. So ähnlich wird es am 24. März 1945 auch in Ork am U'Berg ausgesehen haben.)


Ihre Schwester, Anni Alsdorf-Berg, geb. Gockel hatte 2005 der RP berichtet: "Im Keller hörten wir nun ganz andere Geräusche, denn wir waren 300 bis 400 m vom Rhein entfernt, den die alliierten Truppen mit ihren Schlauchbooten überquerten. Plötzlich standen drei Amerikaner bei uns im Keller. "Hands up - Hands up" schrien sie uns an und suchten nach deutschen Soldaten. Bei uns war ein geistig behinderter Mann, der getreten und geschlagen wurde, weil sich keiner von uns mit der englischen Sprache auskannte. Soviel Angst wie in diesen Stunden, hatte ich mein ganzes Leben nicht mehr.

Als es gegen Morgen hell wurde, ließen die Soldaten uns aus dem Keller, damit die beiden Mütter für usn etwas kochen konnten. Ein Soldat gab uns Schokolade und Keks. Dann sahen wir durch ein Fenster, wie die deutschen Soldaten zusammengetrieben wurden. Plötzlich sah ich, dass einer nicht mehr mit konnte - er wurde einfach erschossen. 

Am nächsten Tag mussten alle Orker, die noch da waren aus ihren Häusern. Man hat uns alle wie das Vieh zusammen getrieben und einem Haus eingesperrt."

Das obere Bild zeigt den Schreiner Max Gockel mit seinen Schwestern und seiner Mutter vor dem Elternhaus an der Mehrstraße, nur wenige Schritte vom Schauplatz der Ereignisse am U'Berg entfernt. Rechts Max Gockel mit der jüngsten Schwester der beiden Zeitzeuginnen (geb. 1945) einige Jahre später (ca. 1950) im Garten seines Hauses. 

Deichkreuz in Ork

Innerhalb von Stunden errichteten Pioniere nach dem Beginn der Operation Plunder zwischen Orsoy und Emmerich etwa 20 Pontonbrücken, darunter später auch eine Eisenbahnbrücke bei Wesel. Nun konnte das Ruhrgebiet eingekreist und erobert werden. Es war der letzte große Kampf vor der endgültigen Niederlage des Hitler - Regimes. 

Eine dieser Pontonbrücken, eine sog. Treadway-Ponton-Brücke entstand zwischen Wallach und Ork, eine weitere Brücke gab es bei Mehrum, von der es aber wohl nur ein einziges Foto gibt. Das Bild und ein Luftbild sind im Schaukasten am Gedenkstein in Mehrum zu sehen. 


Die Brücke, die hier stand, wurde als erste Brücke fertig. Noch heute findet man übrigens im Umfeld Bruchsteine, die damals von den Amerikanern zur Verbreiterung und Befestigung der Gest verwendet wurden. Die Straße "Auf der Gest" musste für die Panzer am das Doppelte verbreitert werden, wozu Ziegel, Geröll und Steine aus zerstörten Häusern von der anderen Rheinseite verwendet wurden.

Der Brückenbau begann um 6.30 Uhr am 24.3.1945. Diese Brücke war eine Pontonbrücke auf Schlauchbooten, auf denen breite Profilschienen ruhten, die eine Fahrspur bildeten. Auf dieser Brücke konnten auch Kampfpanzer den Fluss überqueren. Um 16 Uhr war die Brücke fertiggestellt. 

Parallel hatten die Pioniere stromaufwärts einen Anlandeplatz gefunden und einen Fährverkehr aufgenommen. Einer der Fähren versagte der Motor, sie trieb ab und beschädigte die Brücke kurz darauf. Es dauerte bis 2 Uhr in der Nacht, bis sie wieder einsatzfähig war. 

Zur Erinnerung an das historische Ereignis des Rheinübergangs mit vielen toten und verwundeten Soldaten beider Seiten und Zivilisten ist 1996 dieses Kreuz aufgestellt worden, das der Voerder Künstler Julius Seifert geschaffen hat. Es wird liebevoll von Anwohnern und auch von Mitgliedern des Bürgerschützenvereins Mehr - Ork - Gest gepflegt und von vielen Ausflüglern und Spaziergängern besucht, die den weiten Blick über den Rhein lieben und genießen. 


Erinnerungs-Radtour von Friedrichsfeld nach Mehrum

In diesem Jahr jährt sich das Ende des 2. Weltkriegs am Tag der Kapitulation des deutschen Reichs am 8. Mai 1945. Vierzig Jahre später, am 8...